Flüsterleisten: Unsichtbare Frischluftführung in der Fußleiste mit Mikro-Wärmerückgewinnung – leise, platzsparend, sanierungsfreundlich
Flüsterleisten: Unsichtbare Frischluftführung in der Fußleiste mit Mikro-Wärmerückgewinnung – leise, platzsparend, sanierungsfreundlich
Warum opfern wir Wandfläche für Lüftungsgeräte, wenn die Sockelleiste den längsten, ungenutzten Technikkanal des Hauses bildet? Die Idee der Flüsterleiste nutzt genau das: Eine erweiterte Fußleiste führt Zuluft und Abluft im Raum entlang und koppelt sie über Mikro-Wärmerückgewinnung (WRG) an der Außenwand. Ergebnis: kontrollierte Lüftung ohne große Wanddurchbrüche, kaum hörbar, mit Einsparpotenzial bei Heizkosten – besonders spannend für Altbauwohnungen, Tiny Houses oder Homeoffices mit wenig Platz.
Was ist eine Flüsterleiste?
Eine Flüsterleiste ist eine vergrößerte Sockelleiste (Höhe 70–120 mm, Tiefe 22–35 mm), die als Luftkanal dient. In ihr stecken:
- Luftkanäle für Zuluft und Abluft, getrennt durch eine Mittelschottung
- Verteiler- und Ansaugmodule im Abstand von 2–3 m
- 24 V-EC-Mikroventilatoren (1,2–2,8 W pro 15 m³ h-1)
- Mikro-Kreuzgegenstrom-Wärmetauscher in einer Wandbox mit Außenanschluss
- Feinfilter (M5–F7 optional mit Aktivkohle) und Schalldämpfereinlagen
Die Außenwandbox sitzt unauffällig unterhalb der Fensterbank oder im Brüstungsbereich und koppelt die Ströme über einen Wärmetauscher (WRG-Wirkungsgrad 68–82 %). Zielwerte im Betrieb:
- Luftmenge: 0,3–0,5 Luftwechsel pro Stunde (LW/h) im Wohnraum
- Lautstärke: 16–22 dB(A) in 1 m Abstand
- Strombedarf: 6–20 W je Wohnung (je nach Größe und Belegung)
Warum selten – und gerade deshalb spannend?
Fußleisten-Lüftung ist im Netz kaum zu finden, weil sie zwischen Gewerke fällt: Schreinerarbeit trifft Haustechnik. Dabei passt der Ansatz perfekt zu Räumen, in denen klassische Geräte stören oder denkmalrechtlich schwierig sind. Drei Kernpunkte:
- Unsichtbare Integration: Leiste statt Wandgerät – freie Wände für Möbel, Bilder, Paneele.
- Strömung von dort, wo es Sinn macht: Am kältesten Rand (Fensterzone) wird entfeuchtet und nacherwärmte Zuluft zugfrei abgegeben.
- Sanierungsfreundlich: Wand bleibt weitgehend intakt; 2–3 Kernbohrungen genügen für Außenanschlüsse.
Aufbau der Flüsterleisten-Module
- Deckprofil: lackiertes MDF, Holz oder pulverbeschichtetes Alu, 10–12 mm
- Kanalträger: recyceltes PET- oder Kork-Kammersystem (schall- und wärmedämmend)
- Mittelschott: trennt Zu- und Abluft, reduziert Kurzschluss
- Einblas-/Ansaugöffnungen: mikroperforiert, 1,5–2 mm; Reinigungsclips
- Filterkassetten: steckbar, frontseitig zugänglich
- EC-Lüfter: entkoppelte Gummilager, 24 V SELV
- Wandbox: Mikro-Kreuzgegenstrom-WT, Kondensatablauf, Außenhaube mit Insektenschutz
Planung: So dimensionieren Sie Luftmenge und Module
Schritt 1: Bedarf ermitteln
- Wohn- und Schlafräume: 20–40 m³ h-1 pro Person
- Homeoffice: 25–50 m³ h-1 je nach CO2-Ziel (800–1.000 ppm)
- Feuchteräume angrenzend: Feuchteabfuhr berücksichtigen
Schritt 2: Druckverluste überschlagen
Basis: pro 10 m Leiste und zwei Bögen ca. 20–35 Pa; Wärmetauscher 40–80 Pa; Filter M5/F7 30–60 Pa (neu/verschmutzt). EC-Lüfter wählen, die bei 100–150 Pa noch die Ziel-Luftmenge fördern.
Beispielrechnung: 65 m² Altbau, 2 Personen
| Raum | Volumen | Ziel-Luftmenge | Module |
|---|---|---|---|
| Wohnzimmer | 50 m³ | 35 m³ h-1 | 2 Einblas, 1 Ansaug |
| Schlafzimmer | 38 m³ | 30 m³ h-1 | 1 Einblas, 1 Ansaug |
| Arbeitsnische | 20 m³ | 20 m³ h-1 | 1 Einblas |
| Gesamt | – | 85 m³ h-1 | 2 Wandboxen mit je 45 m³ h-1 |
Montage in fünf Etappen
1. Bestandscheck
- Außenwand wählen: Brüstungsbereich mit Gefälle für Kondensat
- Leitungen prüfen: Strom, Daten, Heizung im Sockelbereich
- Schall: Schlafräume mit zusätzlicher Schalldämpfung einplanen
2. Wandbox setzen
- 2 Kernbohrungen Ø 80–100 mm für Zu- und Abluft
- Wärmetauscher einsetzen, Kondensatschlauch in Siphon
- Außenhaube montieren, Fugendichtband verwenden
3. Leistenkanal verlegen
- Trägerprofile andübeln oder kleben (schwingungsarm)
- Mittelschott einziehen, Eckverbinder stecken
- Einblas- und Ansaugmodule in Planposition clippen
4. Elektro und Sensorik
- 24 V-Netzteil mit FI/LS absichern, Verlegeart SELV
- CO2– und rF-Sensoren in Sitzhöhe, nicht in Zugluft
- Regler: Konstant-Volumen oder CO2-geführt (Matter/Thread möglich)
5. Abdeckung und Finish
- Deckprofile aufclipsen, Schattenfuge 3–5 mm zur Wand
- Fugen elastisch versiegeln, Farblack oder Ölfinish
- Inbetriebnahme: Volumenstrom einmessen, Filter-Reminder setzen
Bauzeit: 1 Tag pro Wandbox und 10–12 m Leiste; DIY-Anteil hoch, Kernbohrung/Fassade vom Profi.
Designintegration im Wohnraum
- Materialien: Eiche geölt, Esche schwarz, Alu in RAL, Mineralwerkstoff
- Details: integrierte LED-Orientierungsbeleuchtung, verdeckte Kabelkanäle
- Möbelanschlüsse: Sideboards mit Luftdurchlässen, Akustikpaneele über der Leiste
Leistung, Akustik und Energie
| Aspekt | Wert | Nutzen |
|---|---|---|
| WRG-Wirkungsgrad | 68–82 % | Heizkostenersparnis 10–20 % vs. Fensterlüftung |
| Schalldruck | 16–22 dB(A) | Schlafzimmertauglich |
| Filter | M5–F7 | Pollen- und Feinstaubschutz |
| Leistungsaufnahme | 6–20 W | ≈ 10–35 € Strom/Jahr |
Fallstudie: 48 m² Altbau in Leipzig
- Setup: 2 Wandboxen, 14 m Flüsterleiste, 3 Räume, CO2-geführt (Ziel 900 ppm)
- Vorher: rF-Spitzen 70 %, CO2 bis 1.600 ppm abends
- Nachher:
- rF im Winter stabil 40–50 %, keine Kondensatbildung am Fenster
- CO2 650–950 ppm, Kopfschmerzepisoden deutlich seltener
- Heizwärmebedarf –12 % (2.200 → 1.940 kWh a-1)
- Geräuschempfinden: „nicht wahrnehmbar“ bei Stufe Auto
Smart-Regelung: Luft nur, wenn sie gebraucht wird
- CO2-Führung: 800–1.000 ppm Zielband; Lüfter modulieren zwischen 20–100 %
- Feuchte-Boost: >60 % rF → 30 min erhöhte Abluft
- Fensterkontakt: Pause bei geöffnetem Fenster
- Matter/Thread: Szenen wie „Fokus“ (Homeoffice) oder „Schlaf“
Wartung und Kosten
- Filterwechsel: alle 3–6 Monate, 8–20 € pro Satz
- Reinigung: Staubabsaugung der Perforationen, 2× jährlich
- Stromkosten: 10–35 € a-1 (0,30 € kWh, 100–120 kWh bei großer Wohnung)
- Anschaffung: 1.600–3.000 € für 2–3 Räume inkl. Wandboxen, DIY spart Montage
Pro und Contra
| Aspekt | Pro | Contra |
|---|---|---|
| Platz | freie Wände, kaum Sichtgeräte | höhere Sockelleiste nötig |
| Akustik | sehr leise bei Grundlast | Boost hörbar bei 100 % |
| Sanierung | minimalinvasiv, wenige Bohrungen | Außenwanddurchführung erforderlich |
| Wartung | Frontseitiger Filterzugang | regelmäßiger Wechsel Pflicht |
| Effizienz | WRG bis 82 % | unter Fensterfalzlüftern teurer |
Gesundheit und Nachhaltigkeit
- Schimmelschutz: trockene Randzonen, weniger Wärmeverluste durch Stoßlüften
- Allergikerfreundlich: Zuluft gefiltert, Pollensaison spürbar angenehmer
- Materialwahl: Kork- und PET-Rezyklat im Kanal senken VOC
- Lebensdauer: Module >15 Jahre, Komponenten tauschbar
DIY-Teilprojekt: 6 m Flüsterleiste im Wohn-Essbereich
Materialliste
- 6 m Kanalträger mit Mittelschott
- 2 Einblas- und 2 Ansaugmodule, mikroperforiert
- 1 Wandbox WRG 50 m³ h-1, 24 V
- Netzteil 60 W, CO2/rF-Sensor, Regler
- Deckprofile Eiche 100 mm, geölt
- Montagematerial, Dichtbänder, Kondensatleitung
Schritt-für-Schritt
- Positionen anzeichnen, Wandbox bohren und abdichten
- Trägerprofile befestigen, Ecken stecken
- Module clippen, Kabel 24 V verlegen, Regler anschließen
- Deckprofile anpassen, Schattenfuge setzen
- Volumenstrom einmessen, Sensoren kalibrieren
Dauer: ca. 6–8 h, Kosten: 1.150–1.450 € je nach Finish.
Häufige Fragen
- Funktioniert das mit Fußleistenheizungen? Ja, wenn thermisch entkoppelt; Einblasöffnungen nicht direkt über Heizkonvektoren platzieren.
- Feuchte Rückgewinnung? Mit Enthalpie-Membranen möglich, reduziert Wintertrockenheit, aber teurer.
- Luftqualität in der Küche? Kochdünste weiterhin über Dunstabzug abführen, Flüsterleiste übernimmt Grundlüftung.
Zukunft: DC-Betrieb und Fassade als Klima-Schnittstelle
- PV-DC-Bus 24–48 V: Direktbetrieb ohne Netzteil, Notlauf bei Stromausfall via Powerbank
- Adaptive Außenhaube: winddruckkompensiert, reduziert Zugempfinden
- KI-Regelung: Vorhersagegesteuert nach Wetter, Belegung, VOC-Profilen
Fazit: Kleine Leiste, großer Effekt
Flüsterleisten kombinieren Luftqualität, Raumfreiheit und Sanierungsfreundlichkeit in einem Bauteil, das ohnehin jeder Raum besitzt. Besonders in Altbauten mit sensiblen Wänden ist die Lösung eine ernsthafte Alternative zu sichtbaren Einzelgeräten.
- Jetzt prüfen: Außenwand, Kernbohrpunkte, Stromführung
- Sensorik setzen: CO2 800–1.000 ppm, rF 40–60 %
- Testphase: 2 Wochen Automatikbetrieb, Filterreminder aktivieren
Handlungsimpuls: Starten Sie mit einem Raum als Pilot. Messen, anpassen, skalieren – und genießen Sie stille, saubere Luft ohne Gerätewände.
