Lehm-Sitzfensterbank mit PCM-Kern: Warme Fensterplätze ohne Mehrheizen – DIY für Altbau und Tiny House

Lehm-Sitzfensterbank mit PCM-Kern: Warme Fensterplätze ohne Mehrheizen – DIY für Altbau und Tiny House

Kalte Fensterzonen, beschlagene Scheiben und ein Sofa, das zu weit vom Licht entfernt steht? Genau hier setzt eine bislang selten genutzte Lösung an: die Sitzfensterbank aus Lehm mit integrierter Phasenwechsel-Speichermasse (PCM). Sie speichert tagsüber Wärme, gibt sie abends zurück, puffert Luftfeuchte – und macht den kältesten Ort im Raum zum Lieblingsplatz.

Warum gerade jetzt?

Heizkosten, Komfortansprüche und kompakte Grundrisse setzen neue Prioritäten. Eine thermisch aktive Fensterbank entlastet die Heizung um übergangsweise Spitzen, reduziert Kondenswasser an der Scheibe und schafft nutzbaren Sitz- und Stauraum – ohne sperrige Zusatzgeräte.

Was ist eine Lehm-PCM-Sitzbank?

Es handelt sich um ein massives Möbel-Element aus Lehm (hohe Sorptionsfähigkeit), versetzt mit mikrokapselierten PCM-Partikeln (z. B. Paraffin 22–26 °C). Der Trick: Beim Schmelzen nimmt das PCM Wärme auf, beim Erstarren gibt es sie wieder ab – bei nahezu konstanter Temperatur. So wird der Fensterplatz thermisch stabiler und spürbar behaglicher.

3 Wissenspunkte auf den Punkt

  • Latente Wärmespeicherung: 10–15 % PCM-Anteil im Lehmkern liefern bis zu 0,4–0,6 kWh Wärme pro m² Bankoberfläche (bei 50 mm Kernstärke).
  • Feuchte-Pufferung: Offene Lehmschichten erreichen eine MBV (Moisture Buffer Value) von 1–2 g m-2 %RH-1; das senkt Feuchtespitzen und beugt Kondenswasser vor.
  • Kapillare Kondensatführung: Ein eingelassener Dochtstreifen (Leinen/Flechtvlies) leitet entstehende Feuchte zu einer verdunstungsfreundlichen Rinne – fern von Holz und Polstern.

Aufbau im Querschnitt

  • Decklage (8–12 mm): Glättlehm mit Kasein- oder Cellulosezusatz, offenporig, farblich pigmentierbar.
  • Speicherkern (40–60 mm): Lehmmörtel mit 10–15 % PCM-Mikrokapseln (Schmelzbereich 22–26 °C), eingestreute Hanffasern zur Rissminimierung.
  • Kapillarbahn (2–3 mm): Leinen-/Jute-Dochte in Längsnuten, münden in eine verdeckte Tonrinne an der Fensterlaibung.
  • Trägerschicht (18–21 mm): Birke-Multiplex oder Massivholzplatte, formaldehydarm (E0/E1), mit entkoppelnden Korkstreifen.
  • Unterkonstruktion: Wangen aus KVH oder Stahlkonsolen; optional Rollo-Kasten/Stauraum, Belüftungsschlitze nach vorn/unten.

Vorteile in Zahlen

Aspekt Typischer Wert Praktischer Effekt
Latente Speicherkapazität 0,4–0,6 kWh m-2 (50 mm, 12 % PCM) Mildert Abendkühle am Fensterplatz
Feuchtepufferung 50–120 g m-2 Tag-1 Weniger beschlagene Scheiben
Oberflächentemp.-Anstieg +1,5–3,0 K vs. unbehandelte Bank Spürbar wärmer beim Sitzen
Aufheiz-/Abkühlzeit 20–60 min / 2–4 h Kurze Reaktionszeit, langer Komfort

DIY-Anleitung: Ein Wochenende, ein Lieblingsplatz

Materialliste (für 1,6 × 0,45 m)

  • Birke-Multiplex 21 mm, Zuschnitt nach Maß (Deckplatte + Seitenwangen)
  • Lehmmörtel (ca. 0,06 m³), PCM-Mikrokapseln 8–10 kg (Schmelzpunkt 24 °C)
  • Hanf- oder Flachsfasern, 1–2 Vol.-%
  • Leinen-Dochtband 20 mm, 3–4 m; Tonstrang/Schale als Verdunstungsrinne
  • Kork-Entkopplungsstreifen 4–6 mm
  • Konsolen (4–6 Stück) oder KVH-Rahmen, Schwerlastdübel
  • Glättlehm, Kasein-/Cellulosefarbe, Pigmente
  • Optional: 12 V Sitzauflagen-Heizmatte (max. 60 W), Präsenz- und Taupunktsensor, DC-Netzteil

Schritt-für-Schritt

  1. Unterkonstruktion: Konsolen im 40–50 cm Raster lot- und waagerecht setzen (Tragfähigkeit ≥ 200 kg). Wandmaterial beachten, Dübel wählen.
  2. Trägerplatte: Multiplex auflegen, vorn 20 mm Überstand; Unterseite mit Korkstreifen entkoppeln, verschrauben.
  3. Kapillarnuten fräsen: 3–4 Nuten (5 × 5 mm) parallel zur Scheibe. Leinen-Dochte einlegen und zur seitlichen Tonrinne führen.
  4. Speicherkern mischen: Lehmmörtel anrühren, Fasern einstreuen, dann PCM-Pulver untermischen (niedrige Drehzahl, Staubmaske). Schichtweise 40–60 mm auftragen, verdichten.
  5. Decklage: Nach Ansteifen 8–12 mm Glättlehm aufziehen, Oberfläche leicht strukturiert belassen (diffusionsoffen!).
  6. Trocknung: 5–10 Tage bei guter Lüftung. Heizlüfter vermeiden; Querlüftung/Entfeuchter zulässig.
  7. Finish: Kasein-/Cellulosefarbe dünn rollen. Keine Acryl- oder PU-Versiegelung (Wärme- und Feuchtefluss erhalten!).
  8. Optional Smart: 12 V-Matte unter Decklage einbetten, Präsenzsensor und Taupunktrelais in Niedervoltbox – nur kurzzeitig vorwärmen (10–20 min).

Bauzeit: 1–2 Tage + Trocknung • Gewicht (fertig): 80–120 kg • Tragfähigkeit Ziel: ≥ 2 Personen = 200–250 kg.

Fallstudie: Altbau in Berlin, Nordostfenster (1,8 m)

  • Aufbau: 50 mm Lehmmantel mit 12 % PCM (24 °C), Decklage 10 mm, Docht zur Tonrinne, Belüftungsschlitze nach vorn.
  • Messwerte (Nov.–Feb.):
    • Oberflächentemperatur Bank am Abend: 22,8 °C (Raum: 21,0 °C)
    • Fensterbeschlag: an 80 % der frostigen Morgen entfiel das Wischen komplett
    • Heizkörperventil-Laufzeit: −12 % ggü. Referenzwoche ohne PCM-Wärmeeintrag
    • Relative Feuchte am Fensterplatz: Spitzen von 62 % → 55 % abgepuffert

Smart-Home-Optionen (niedervolt, wohnungstauglich)

  • Präsenzgesteuertes Kurzzeit-Preheat: 12 V Matte (max. 60 W) nur bei Belegung aktiv, Abschaltung nach 20 min.
  • Taupunktwächter: Sensor vergleicht Oberflächentemperatur/Feuchte – öffnet diskrete Trickle Vents (Fensterfalzlüfter) oder startet leisen DC-Lüfter.
  • Matter/Wi-Fi-Thermostat: Logging der Oberflächentemperatur, Lernfunktion für Vorheizzeit bei West-/Südsonne.
  • PV-Ready (Balkon-DC): 12/24 V Direktversorgung über DC-Bus, abgesichert; Netzteil mit SELV, Brandschutz befolgen.

Design & Nutzung

  • Bezug/Polster: Abnehmbares Kissen mit Leinen- oder Wollebezug (atmungsaktiv). Keine geschlossenen Kunstlederauflagen.
  • Stauraum: Klappfront für Bücher/Decken; Lüftungsschlitze in die Front fräsen.
  • Licht: Magnetische 12 V LED-Leiste unter der Fensterlaibung, warmweiß 2700–3000 K.
  • Oberfläche: Lehm pigmentieren (Umbra/Grünspan), Akzentfuge zur Fensterbank in Kontrastfarbe.

Pro / Contra

Aspekt Pro Contra
Komfort Wärmere Sitzfläche, weniger Zuggefühl Trocknungszeit, Gewicht hoch
Energie Entlastet Spitzen, nutzt Solarwärme passiv Kein Ersatz für Hauptheizung
Feuchte Sorptionsaktiv, Kondensat abgeleitet Planung der Kapillarrinne nötig
DIY Mit Standardwerkzeug machbar Sauberes Arbeiten mit Lehm erforderlich
Kosten Material fair, langlebig PCM-Pulver relativ teuer pro kg

Gesundheit & Nachhaltigkeit

  • VOC-arm/frei: Lehm und Kasein-/Cellulosefarben ohne Lösungsmittel.
  • Rezyklierbar: Lehm rückbaubar, Holz wiederverwendbar. PCM-Mikrokapseln als Baustoffmischfraktion entsorgen.
  • Staubarm: Antistatische, offenporige Oberfläche bindet weniger Aufwirbelstaub als lackierte Platten.

Cost Check & Einkaufstipps

  • Lehmmörtel: 10–15 € pro 25-kg-Sack (bedarf ca. 8–10 Säcke)
  • PCM-Pulver: 10–20 €/kg (8–10 kg für 1,6 × 0,45 m)
  • Holz/Konsolen/Kleinteile: 120–220 €
  • Optional 12 V-Paket: 60–150 € (Matte, Netzteil, Sensorik)

Richtwert gesamt: 350–650 € DIY, abhängig von PCM-Qualität und Beschlägen.

Normen, Sicherheit, Tragfähigkeit

  • Traglast: Mindestens 2 kN/m Kantenlast anstreben; Konsolenabstand ≤ 50 cm.
  • Niedervolt: SELV 12/24 V, IP20 im Trockenen; Leitungen gegen Quetschen schützen; VDE-konforme Absicherung.
  • Feuchteführung: Kapillarrinne offen zugänglich halten, 1×/Monat reinigen.

Fazit: Komfort aus Masse – nicht aus Mehrleistung

Die Lehm-PCM-Sitzfensterbank schiebt den Komfort dahin, wo Licht und Blick sind – und nutzt Bauphysik statt Dauerheizen. Wer ein Fenster neu denkt, gewinnt: spürbar wärmere Oberfläche, weniger Kondenswasser, zusätzlicher Stauraum und ein ästhetisches Statement.

Aktionstipp: Messen Sie die verfügbare Breite, prüfen Sie die Wandlast und starten Sie mit einem 1,2-m-Modul. Dokumentieren Sie Temperatur/Feuchte 14 Tage vor und nach Einbau – die Daten sprechen für sich.